Kleine Kratzbürste

Vor einem Jahr besuchte meine damals 18 Monate alte Tochter mit mir einen Musikgartenkurs, in dem die Kinder erste spielerische Erfahrungen mit Singen und Tanzen machen konnten. Sie hatte großen Spaß am Singen und Hüpfen, bis einer der Jungs anfing, sie regelmäßig zu schubsen. Da sie groß und robust und nicht sonderlich zimperlich ist, störte sie sich zunächst nicht daran, sagte „stop“, ging zur Seite oder ließ den Jungen sogar auflaufen, wenn er kam. Als er aber dazu überging, sie von hinten anzurempeln, so dass sie keine Chancen hatte zu reagieren, ging sie schnurstracks zu unseren Sachen, machte sich den Schal um, setzte die Mütze auf und gab mir mit dem Kommentar „Hause gehen“ meine Tasche. Genau das gleiche machte ise auch in der nächsten Woche.

Was zunächst irritiert und in Gesellschaft sogar peinlich wirken kann, ist eigentlich eine gesunde Strategie der Problemlösung. Reagieren die anderen nicht auf Lösungsangebote, entzieht man sich halt der Situation. Ich selbst war mir nicht so recht sicher, ob ich verblüfft oder peinlich berührt sein sollte. Als Facebook mich heute an meinen Post von vor einem Jahr erinnerte, musste ich Schmunzeln über meine Kleine. Sie weiß ziemlich genau, was sie will und wie sie behandelt werden möchte und behandelt andere überwiegend auch genauso. Ignoriert aber jemand ihr Ruhe- und/oder Autonomiebedürfnis, sagt sie inzwischen, mit dem wolle sie grade nichts zu tun und statt dessen ihre Ruhe haben. Das ist laut und öffentlich vorgetragen tatsächlich tierisch peinlich. Aber: ich bin stolz auf meine Tochter und ihren Mut zur eigenen Meinung. Meine ist inzwischen: wer uns nicht nimmt wie wir sind (meist fröhlich und freundlich, der muss halt auf uns verzichten.

Advertisements

Kichererbse

Heute mal ein bißchen Sitcom: Ich esse einen Kichererbsensalat, was meine Tochter (2,5 Jahre) sieht. Da sie Kichererbsen mag, frage ich sie, ob sie auch eine möchte, was sie bejaht. Ich stecke ihr also eine Kichererbse in den Mund, woraufhin sie anfängt, fürchterlich zu lachen. Zufall, denke ich und gebe ihr noch eine. Wieder fängt sie an, wie verrückt zu lachen. Als ich wissen möchte, warum sie so lacht, sagt sie: „Ich esse doch Kichererbsen“ 😀

Ich habe mich früher als Kind schon immer gewundert, warum beim Kichererbsenessen nie jemand gekichert hat. Endlich hat das dann doch noch funktioniert…

 

„Ich will mein Spielzeug nicht!“

Internet, Fernsehen, diverse Babykurse etc. preisen schönes, toll designtes, pädagogisch und entwicklungstechnisch wichtiges Spielzeug an. Nicht, dass ich nicht auch welches davon gekauft habe. Ist doch klar. Schließlich ist vieles davon wirklich schön, und der entwicklungstechnische Nutzen erschließt sich mir durchaus.

Allerdings habe ich da die Rechnung ohne den Wirt, sprich meine jüngste Tochter (7 Monate) gemacht…Die ist nämlich nicht an dem vorhandenen Spielzeug interessiert, sondern will das haben, was Mama den ganzen Tag benutzt. Entsprechend spielt sie mit dem Staubsauger oder meinen Küchenutensilien. Vermutlich lernt sie dabei genauso viel. Wenn ich persönlich die Sachen auch nicht so schön finde – vermutlich, weil ich sie jeden Tag benutze(n muss). Ich bin mal gespannt, wie lange sie den Staubsauger freiwillig gut findet…

Workshops zu den Themen Wahrnehmung und Konzentration

Ich freue mich sehr, hiermit zwei neue Workshops ankündigen zu können, die im zweiten Halbjahr 2018 stattfinden werden. Im wesentlichen geht es um Wahnehmung und Konzentration, die spielerisch geschult und als Resultat eines Gruppencoachings in den eigenen Alltag eingebaut werden sollen.

Anmelden könnt Ihr Eure Kinder unter Angabe des Namens, Alters und gewünschten Workshops hier.

 

„Ich höre das Gras wachsen“

Um in der Schule erfolgreich zu sein, bedarf es einer guten und ungestörten Wahrnehmung. Nun wird es aber in unserer Welt und auch im Klassenraum immer lauter, wuseliger und voller – kurzum, die Voraussetzungen, um etwas anderes als unruhig machendes Chaos wahrzunehmen, sind denkbar schlecht. Um die Wahrnehmung zu trainieren, beschäftigen wir uns damit, welche Wahrnehmungsorgane wir eigentlich haben und in welchen unterschiedlichen Formen wir Dinge wahrnehmen können und wie wir sie am liebsten wahrnehmen. Im Anschluss daran nutzen wir unsere Wahrnehmung in spielerischen Übungen und begeben uns zum Abschluss auf eine (Fantasie-)Reise der Sinne.

Kinder ab ca. 6 Jahre, 24.08.2018, 16-18.15h, 45 €/Kind

Kinder ab ca. 9 Jahre, 19.10.2018, 16-18.15h, 45 €/Kind

 

„Konzentriert läuft’s wie geschmiert“

In den oftmals sehr lauten und bewegten Klassenräumen ist es ganz schön schwer, sich vernünftig zu konzentrieren. Dabei wäre das so wichtig, um alle Aufgaben so gut zu erledigen, wie man eigentlich könnte und wollte. Um die Konzentration zu schulen, überlegen wir gemeinsam, was Konzentration eigentlich ist und wann uns Konzentration am besten gelingt. Gemeinsam erstellen wir individuelle „Fahrpläne“ zur besseren Konzentration und machen ein paar Übungen, zur besseren Konzentrationsfähigkeit, von denen einige auch in die Klassenräume mitgenommen werden können. Um volle Konzentration gewährleisten zu können, nehmen max. 6 Kinder teil.

Kinder ab ca. 6 Jahre, 25.08.2018, 11-13.15h, 45€/Kind

Kinder ab ca. 9 Jahre, 20.10.2018, 11-13.15h. 45€/Kind

Buchung beider Workshops: 82€/Kind

 

kleines Rumpelstielzchen

Meine 25 Monate alte Tochter ist Ende letzten Jahres für fünf Stunden täglich zur Tagesmutter gekommen. Eigentlich sind es zwei Tagesmütter mit insgesamt 10 Kindern. Die Betreuung ist bilingual, jeden Tag gehen die Kinder raus, es gibt feste Rituale, die Tagesmütter sind konsequent und herzlich. Genau das, was ich spontan gesucht habe, da ich mein Kind eigentlich erst mit 3 in die Kita hatte geben wollen. Aber irgendwie hatte ich den Eindruck, es sei für sie jetzt an der Zeit, raus und ein bißchen weg von Mama zu kommen.

Der Eindruck bestätigte sich. Kind ließ sich problemlos abgeben, war beim Abholen fröhlich, machte sprachlich einen enormen Entwicklungssprung und auch die Tagesmütter waren sehr zufrieden mit ihr. Sie sei immer fröhlich, spiele klasse und sei sehr lieb mit den Kleineren. Was mich als Linguistin zusätzlich schwer begeisterte: sie lernte innerhalb von zwei Wochen die bei der Tagesmutter gängigen Floskeln und alltäglichen Vokabeln auf Spanisch zu verstehen und sprach und sang selber ein wenig.

Nach diesen zwei Wochen kippte allerdings die Laune – zumindest nachmittags zu Hause. Kind wütete, jaulte, meckerte, schrie, jammerte, zickte  an einem Stück, und ich wusste nach weiteren zwei Wochen beim besten Willen nicht mehr weiter, zumal auf Nachfrage bei den Tagesmüttern die Rückmeldung kam, sie sei integriert, fröhlich, sozial sehr fit und auch sonst gut dabei.

Mir schwante Böses, als das Kind müder und müder wurde, nach dem Aufwachen grundsätzlich ekelig war, bei der Tagesmutter nicht eine Farbe richtig wusste (eigentlich konnte sies alle inkl. Silber und Gold) und so garstig mit ihrem sehr bemühten Babysitter war, dass dieser nicht mehr wiederkommen wollte. Andererseits konnte ich mir bei einem so jungen Kind nicht wirklich vorstellen, dass es dermaßen unterfordert sein könnte, dass es sich so derart daneben benimmt. Aber genau das bestätigte sich, als eine Woche vor Weihnachten die weniger fordernde Tagesmutter in Urlaub ging und die Laune direkt besser wurde. In den Weihnachtsferien gab es kaum noch einen Wutanfall und nach zwei Tagen in der BackUp-Betreuung des geplanten zukünftigen Kindergartens meiner Tochter, eröffnete sdiese mir, sie ginge nicht wieder zur Tagesmutter zurück. Ganz so schnell ging das alles nicht und sie musste nochmal zwei Tage hin, bevor wir den KiTa-Vertrag gezaubert bekamen – und wieder hatte ich ein Rumpelstielzchen der übelsten Sorte zu Hause. Seit sie nun in die KiTa, und dort direkt in eine Elementargruppe geht, ist alles gut. Tatsächlich hat sie sofort bei KiTa-Eintritt aufgehört mit ihrem Mittagsschlaf und auf die Frage hin, ob sie gar nicht müde wäre, ganz lapidar geantwortet: „Genug gespielt in der KiTa, ich nicht müde bin.“

Ich war übrigens sehr zufrieden mit der Tagesmutter und werde auch meine Kleinste dorthin geben. Aber nur 2×5 Std. und nicht erst mit 25 Monaten. In dem Alter wird sie nach Absprache mit der KiTa direkt in den Elementarbereich wechseln – logischerweise vorbehaltlich einer ähnlichen Entwicklung wie die ihrer Schwester.

Fazit: achtet auf Stimmungsänderungen Eurer Kleinkinder, denn offenbar brauchen sie ausreichend Platz, um sich in der Fremdbetreuung in Ruhe zurück ziehen zu können, und eine positiv herausfordernde ALtersstruktur der Gruppe. Außerdem sollten die Rituale und Spielzeuge ausreichend Zeit und Möglichkeiten zur freien, kreativen Entfaltung, zum Ausprobieren, Scheitern und Schaffen bieten und der elterliche Kontakt zur aufnehmenden KiTa sollte auch schon in der Krippenzeit möglichst eng sein, damit schnell und situativ flexibel gehandelt werden kann!

 

AAAALLLLEEEEINE!!!

„Alleine“war für etwa 9 Monate so ziemlich das am häufigsten genutzte Wort meiner 2 1/2jährigen Tochter – inflationär verwendet in allen erdenklichen Tonlagen von bittend über verzweifelt, kreischend, bis hin zu brüllend. Auf jeden Fall ist „alleine“ ziemlich zeitintensiv, denn sie musste bis vor kurzem tatsächlich alles alleine machen – egal, ob Jacke anziehen, Mütze aufsetzen, Schleife binden, Trinken einschenken, Türen aufmachen, Brot schmieren oder Hose hochziehen.

Warum ist „alleine“ bloß so immens präsent und aufdringlich, mag man sich da fragen. Vermutlich liegt das daran, dass „alleine“ genau so lange interessant fürs Kind ist, wie es eben nicht flüssig alleine klappt, was uns genau dann gar nicht mehr bewusst auffällt, wenn alles alleine klappt und für uns sogar ziemlich schnell – fast sofort –  zu einem Selbstverständnis wird. Vielleicht überlagert aber auch die immer wieder auftauchende elterliche Verblüffung ob der neu zu beackernden Themen des Kindes (bei uns sind es nun grade das Alphabet, Zahlen und die Uhr) die Erleichterung über das neu gewonnene Selbstverständnis beim alleinigen Erledigen.

Inzwischen funktionieren alle von Madame „alleine“ gewünschten Aktionen alleine und werden, gemeinsam mit allerhand neuen Aktionen, durch ein deutliches und selbstbewusstes „Ich mache das!“ oder „Ich kann das schon!“ angekündigt. Das ist wesentlich besser zu ertragen, wie ich finde – wenn schon nicht im Outcome, so doch wenigstens in der Ankündigung…

Wie es auch sei – ich gehe jetzt ins Bett. Alllllleeeeeine!!!!

Zu intelligent, um glücklich zu sein?

Das ist eine Frage, die sich wohl schon so ziemlich jeder in der ein oder anderen Form gestellt hat – sinngemäß höre ich häufig die Variante „wäre ich glücklicher, wenn ich dumm wäre und nicht drüber nachdenken könnte?“

Jeanne Siaud-Facchin hat mit „Zu intelligent, um glücklich zu sein?: Was es heißt, hochbegabt zu sein“ ein meiner Meinung nach überaus lesenswertes und liebevolles Buch geschaffen. Liebevoll, weil es Hochbegabung und Hochbegabte ernst nimmt in ihren Gedanken und Ängsten, in ihrem Denken und Fühlen, weil man merkt, dass Siaud-Facchin nachvollzieht, wie ihre Klienten denken und ganz selbstverständlich damit lebt und arbeitet. Lesenswert ist das Buch u.a., weil es wirklich gut zu lesen ist, sprachlich nah am Leben, flüssig geschrieben, nicht mitleidig oder sensationslüstern und inhaltlich mal anders. Besonders spannend für mich als Frau und die weibliche Häflte einer „hochbegabten Beziehung“ fand ich die Kapitel über hochbegabte Frauen und Hochbegabung in Beziehungen. Sehr hilfreich sind außerdem die Anregungen im hinteren Teil des Buches, das eigene Wohlfühlen in Angriff zu nehmen.

Ich hatte auch nach mittlerweile jahrzehntelanger Beschäftigung mit dem Thema neben „ja, genau“- auch noch allerhand Aha-Effekte und werde nicht nur in meinen persönlichen Alltag einiges mitnehmen, was mich in meinem Leben mit meiner Hochbegabung weiter bringt, sondern auch vieles ins Coaching integrieren können.

Fazit: Sehr zu emfpehlen und mit 12,99 € auch erschwinglich.

Link zum Buch